Interview mit Ismail Söylemez von der Zeitschrift Miraz

Asmêno Bêwayir – İsmail Söylemez

Übersetzung aus dem Türkischen: Ali Ersoy

Asmêno Bêwayir: Ma be xêr dı bıra İsmail! Ich bin es eigentlich nicht gewohnt mich mit dir auf Türkisch zu unterhalten, aber weil wir in unserer Unterhaltung auch auf Themen eingehen werden, für die auch die Leserschaft ohne Zazaki-Kenntnisse Interesse hätte, soll unsere Unterhaltung diesmal auf dieser Weise laufen... (Ich konnte manchmal mich nicht davor abhalten, ohne etwas Zazaki reinzusprechen). Der Hauptgedanke unserer Unterhaltung besteht aus der langen freundschaftlichen Beziehung, mit dem Ziel die Zersplitterungen in der Gesellschaft aufzuheben, damit ein Beispiel für unsere Leser zu präsentieren. Einer ist ein Bingöller, der andere Dersimer, einer alevitisch-stämmig, der andere Sunnite. Beide haben als Muttersprache Zazaki und den nichtendenden Kummer im Herzen: Die bedrohte Situation der Muttersprache und Kultur, die Angst um dessen Aussterben. Davor, wie man sie den morgigen Generationen vererben könnte. Und das Bestreben, die Seele einer Gesellschaft ausmachende Kunst, die unter Druck leidet und verboten war, sie aufrecht zu erhalten...Ez pers keri, tı vace, bıra... Kannst du dich kurz vorstellen?

İsmail Söylemez: Miyoni xêri d’ bê, kekê! Du hast Recht, glaub mir, auch ich bin nicht daran gewohnt. Es sind Jahre vergangen, als wir uns kennen lernten, wir haben eine schöne Freundschaftlichkeit aufgebaut. Daran hat immer unsere Muttersprache Zazaki mitgewirkt, deswegen bin ich dazu eher abgeneigt, mit dir auf Türkisch zu reden. Ich stimme deiner Beschreibung, die du oben gemacht hast, nicht zu. Denn, ich habe bei Freundschaften niemals Unterschiede zwischen Aleviten und Sunniten bemerkt. Es gibt manche gemeinsamen Punkte, die zur Entstehung einer Freundschaft beitragen. Unsere, so kann man sagen, ist die Sensibilität zu Zazaki.

Zu der Antwort deiner Frage: Im Jahre 1977 wurde ich in Bingöl im Bezirk Solhan (Zazaki Boglon) geboren. Ich habe die Vor- und Hauptschule in Solhan absolviert. Nachher besuchte ich das Malatya Fatih Gymnasium. 1994 entschied ich mich in der Atatürk-Universtität, über Persische Sprache und Literatur zu studieren. 1998 habe ich absolviert. Drei Jahre lang war ich nacheinander in Diyarbakir-Çermik im Dorf Bistin Klassenlehrer, in Bingöl/Simani vetretender Türkisch- und im ‘Malatya Anadolu Tourismus’-Gymnasium Literatur-Lehrer. Eine Zeit lang arbeitete ich für die Anadolu- und Hürbingöl-Zeitungen als Korrespondent und Kolumnist. Seit drei Jahren befasse ich mich in Malatya im kaufmännischen Bereich.

Unterdessen habe ich in der Inönü Universtität im Institut der Sozialwissenschaften im Fachbereich „Türkische Sprache und Literatur„ die hohe Lizenz ohne Thesenarbeit erworben. Neben meiner Muttersprache Zazaki kann ich auf gutem Niveau Türkisch, Persisch, Osmanisch, Kurdisch, ein wenig Englisch und Arabisch.

Seit meiner Gymnasiastenzeit beschäftige ich mich praktisch mit Zazaki. Seitdem schreibe und lese ich auf Zazaki. (Gedichte, Essays, Kurzgeschichten, Theater, Artikel, Übersetzungen) Jedoch habe ich davon nur wenig veröffentlichen können. Einen Teil habe ich auch im Erzurum erscheinenden „Vatı’" herausgebracht. Und ein anderer Teil wurde für die Zeitschriften Ware (Deutschland), Zazapress (Schweden) und Sefine (Bingöl) veröffentlicht. Für eine kurze zeit schrieb ich auch bei der Zeitung in Fırat’ta Yaşam.

Jahrelang mache ich eine große Sammlung an Sprichwörtern, Redewendungen, Liedern, Gebeten, Flüchen und Wörtern... Bis jetzt habe ich ein beinahe 6000 Wörter umfassendes Wörterbuch-Projekt erstellen können. Ausserdem mache ich von Türkisch, Englisch und Persisch zu Zazaki Übersetzungen. Nach dem Wörterbuch-Projekt würde ich gerne mich einem Roman-Projekt widmen. Es blieb jahrelang zwischen meinen Kalender-Seiten verborgen.

A.B.: Ihr habt drei Auflagen der Zazaki-Zeitschrift namens „Vatı” (‘Rede’) (nicht zu verwechseln mit der Zeitschrift Vate aus Schweden!) herausgebracht? In welchem Jahr, unter welchen Umständen kamen sie raus, und was für eine Resonanz erreichte sie?

İ.S.: Als ich in Erzurum über die Persische Sprache studierte, habe ich eine Zeitschrift mit dem Namen „Vatı” veröffentlicht. Ich hatte die Idee schon 1996 gehabt, aber weil die Umsetzung nicht klappte, habe ich es verspätet 1998 mit der ersten Auflage nachgeholt. Es war äußerst anstrengend, weil ich die ganze Arbeit übernahm. Dies hatte zufolge, dass ich nur drei Auflage herausbringen konnte. Zwei weitere Auflagen erschienen 1998. Als ich Absolvent wurde, konnten wir nicht mehr weitermachen.

Den Entwurf der Zeitschrift verfertigte ich manuell. Als ich das Layout der Seite mit einer Füllfeder vollendete, schrieb ich die Texte mit der Schreibmaschine. Danach vervielfältigte ich es mit dem Kopierer. Zuerst habe ich mit 100 Auflagen angefangen. Aber nachher stieg sie auf 300. Und die Zeitschrift vermehrte sich auch, indem die Leser selber Fotokopien erstellten. In den nächsten Jahren bin ich in nie geahnten Gebieten auf Leser der Vatı-Zeitschrift gestoßen. Neben sehr positiven Reaktionen, wurde ich auch mit Separatismus beschuldigt. Vatı war überwiegend eine Literatur-Zeitschrift. Wo ich jetzt dabei bin, kann ich nicht, ohne es zu sagen. Ich habe ein Projekt. Ich plane wieder eine Literatur und Philosophiezeitschrift auf Zazaki. Derzeit arbeite ich daran. Hoffentlich wird sie in nächster Zeit auch erscheinen (Die Rede ist von Miraz, A.B.).

A.B.: Wie schaut das Zazaki in Bingöl und seinen Bezirken aus? Welche Sprache wird in welchen Kleinprovinzen gesprochen, welchen Glaubensrichtungen gehören die Menschen an? Welche sind die Zaza-Stämme?

İ.S.: Das Zazaki in Bingöl (Çolig, Çewlıg) ist das Palu-Bingöl Zaza (Zentraldialekt). Es gibt auch Unterschiede zwischen Zentral-Bingöl, den Bezirken und den Dörfern. Das sind aber lediglich größtenteils Unterschiede im Wortschatz. Die Unterschiede sind in der Aussprache und den unterschiedlichen Wörtern zu sehen.

Wenn von Bingöl die Rede ist, kommen einem als erstes die Zazas in den Sinn. Außer den Zazas gibt es auch Kurden, sind aber als gerade zu wenig beschreibbar. Im Zentrum, Genç (Darê Yeni, Dara Hêni) und Solhan (Boglon, Boglan) gibt es abgesehen von den später eingewanderten keine Kurden. Karlıova besteht zur Hälfte aus Zazas und zur Hälfte aus Kurden. Kiğı (Gêği) ist wieder vermischt. Yayladere (Xorxol), Yedisu (Çêrme) und Adakli (Azapêrte) sind sowieso sehr dünn besiedelt. Zum Beispiel beträgt die Zahl der Bevölkerung in Yedisu etwa 2000. Dazu weiß ich nicht den Anteil der Zazas und Kurden.

In Bingöl gibt es Schafiiten und Aleviten. Zazaische Stämme sind reichlich vorhanden, es ist nicht möglich, hier alle aufzuzählen. Ich kann aber die wichtigsten zeigen: Die Thavz, Az, Zıktê-Stämme machen die großen Stämme von Bingöl aus. Und ich bin vom Thavz Stamm.

A.B.: Bis zu welchem Alter hast du um Dorf gelebt? Welche Sprache sprecht Ihr zu Hause? Wird bei euch zu Hause Türkisch gesprochen? Wie ist die Reaktion der Älteren, wenn mit Ihnen auf Türkisch gesprochen wird?

İ.S.: Ich bin in Solhan geboren. Aber da wir erst spät ins Dorf umzogen, erlebte ich ein Teil meiner Kindheit im Dorf. In der Zeit wo ich in die Schule ging, kam ich an Wochenenden und Feiertagen ins Dorf zurück. Zuhause sprachen wir stets Zazaki. In der letzten Zeit haben aufgrund der Fremde und dem Einfluss des Fernsehens kleine Kinder angefangen allgemein Türkisch zu reden, aber gleichzeitig können sie auch sehr gut Zazaki. Sogar die kleinsten Kinder von uns sprechen mit den Älteren auf Zazaki. Es wird als ziemlich empört aufgefasst, wenn einer in meinem Alter mit den Älteren auf Türkisch redet. Mit meinem verstorbenen Großvater, der uns die erste Erziehung gab, sprachen wir immer auf Zazaki. Er benutzte auch Zazaki, wenn er etwas zu erzählen hatte. Ich erinnere mich nicht, dass er mit mir jemals auf Türkisch geredet hat.

A.B.: Kam in dieser Zeit schon das Fernsehen in die Dörfer? Wie hat die Schule und das Fernsehen die Haltung zu Zazaki beeinflusst? Wie ist die Sicht bei den Jugendlichen zur Sprache, Musik, dem Glauben und der Kultur?

İ.S.: In unserem Dorf gab es keinen Strom. Erst im Jahre 1991 kam zum ersten Mal Strom ins Dorf, wobei das Dorf 1992 geräumt und verbrannt wurde. Also gab es eigentlich kein Fernsehen. Aber es existierten die mit Batterie betriebenen grünen Radios. Damals wurde in einem reineren Zazaki geredet. Besonders in den langen Winternächten war die Erzähltradition total anders. Erzählungen aus der Region, Märchen, Legenden... Jeden Abend versammelten sich die Älteren in einem Haus, manchmal gingen wir jungen auch rein. Sie waren klasse Unterhaltungs-Künstler. Wir erzählten öfters im Haus den Älteren Geschichten. Ganz besonders wussten die Mütter, wie man gute Geschichten erzählt. Das brachte nämlich die Kinder schneller zum Einschlafen. Zu diesen Zeiten war es so, als ob einer der Voraussetzungen zum Mutterwerden Geschichten zu wissen war.

Jedoch beeinflussen die modernen Kommunikationswege und vornehmlich das Fernsehen die Sprache negativ. Zazaki wird in einer sehr schnellen Phase verunstaltet. Musik ist eine sehr wichtige Sparte. Dass die Zaza-Musik in den letzten Jahren die Sprache zum Leben erweckt hat, ist sehr gut geworden. Denn Musik gehört zu einer der Elemente, die die Sprache am Leben hält.

Leider ist das Bildungssystem des Landes, in dem wir leben, verdorben. Die Auffassung, alles auswendig zu lernen, hat das Denken zerstört. Die moderne Jugend ist in eine Lage geraten, die das selbstständige Denken zur Angst macht. Wie Cemil Meriç zu sagen pflegt, wird das Denken wie ein tollwütiger Hund verfolgt. Es gibt keine Gewohnheit, Bücher zu lesen. Das Buch wird als ein unnötiges Accessoire verwertet, und wenn es um Zaza-Bücher geht, wird es noch überflüssiger empfunden. Zum Zazaki lernen wird das Englischlernen als Alternative vorgeschlagen. Auch der Glaube und die Kultur wurden ebenfalls unwichtig. Was übrig bleibt, ist eine orientierungslose Jugend. Es ist eine Jugend, die ihre Werte verloren hat, über keine Kriterien verfügt, zu erkennen. Glaube, Kultur und Ideologie können nur durch den denkenden Geist in die Tagesordnung kehren.

Es ist nötig, dass die Jugend zuerst ihre Gewohnheit zum Lesen und Denken zum Ausdruck bringt.

A.B.: Hattest du die Gelegenheit, mit Zaza-Märchen aufzuwachsen? Mit welchen z.B.?

İ.S.: Gewiss. Die Geschichten waren in meiner Kindheitswelt wie das Glühwürmchen in den dunklen Nächten. Die schönsten Märchen hörte ich von meiner Mutter. Geschichten wie Monga Buer (‘graue Kuh’), Eyşık o Fatık, Kek u Merri (‘Der Floh und die Maus’) befinden sich in meiner Favoritenliste ganz am Anfang. Auch Geschichten von anderen Älteren sind noch in meinem Ohr enthalten. Die Märchen von meinem Vater waren ganz anders. Mein Vater erzählte sie uns nicht, wenn wir allein waren. Nur wenn Gäste zu uns kamen oder wenn wir jemanden zu besuchen gingen, fing er an zu erzählen. Am meisten hörten ihm die Älteren zu. Unter den Märchen, die er erzählte, war Mirza Mehemmed am beliebtesten.

A.B.: Wie stuft Ihr Eure eigene Sprache, die Sprache der Nachbarvölker ein?

İ.S.: Wir sind Zazas und sprechen Zazaki (Ma Zazê, ma Zazaki qali keni). Unsere Nachbarn sind die Kurden. Wenn die Älteren von ihnen Gespräch machten, bezeichneten sie sie entweder Kuırd oder Kuırmonc. Ich habe noch nie von einem Älteren gehört, dass wir Kurden seien. Auf die Meinung, dass die Zazas Kurden wären, traf man vor der kurdischen Nationalgesinnung nicht. Mit der Entwicklung des kurdischen Nationalismus haben sie angefangen, unnötigerweise auch die Zazas als Kurden zu definieren und kurdische Ideologen haben ab dieser Epoche das Bedürfnis entwickelt, die die Zazas als Kurden einzustufen.

A.B.: Wenn ihr von Zazas redet, wen meint ihr genau damit? Verwenden die Älteren und die Jugendlichen die Benennung unterschiedlich?

İ.S.: Nein, es kann nicht die Rede von einer unterschiedlichen Benutzung dessen sein. Es ist eine Bezeichnung, die alle Zazas einschließt. Wenn wir von Zazas sprachen, haben wir sowohl die von unserem Dorf, als auch die Zazas von Solhan, Varto, Bingöl, Diyarbakir, Tunceli, Elazığ, Erzincan, Sivas usw., also alle miteinbezogen. Nur in den letzten Jahren, haben viele unserer Jugendlichen aufgrund der politischen Propaganda angefangen, sich als Kurden zu fühlen. Das Wort Zaza umfasst die Eigenbezeichnungen Kırd, Kırmanc, Dımıli, Ma und alle anderen Bezeichnungen. Kurz gesagt, Zaza ist die ethnische Bezeichnung eines Volkes.

A.B.: Wer sind die jenigen, die sich in Bingöl und Palo als „Kırd" bezeichnen und in welchem Rahmen benutzen sie es? Als was gibt sich einer der sich als „Kırd" bezeichnet und keinen Einflüssen der Politik ausgesetzt ist, in Türkisch aus?

İ.S.: Der Terminus Kırd wird bei uns dort nicht viel verwendet. Er hat eine sehr niedrige Verwendungsquote. Und wenn es verwendet wird, dann nur für Zazas. Es wird mehr in Zentral-Bingöl und Palo benutzt. Das Wort „Kırd" wird nur verwendet, wenn man Zazaki spricht, auf Türkisch wird „Zaza" bevorzugt. Genau wie in Çermik und Siverek. Wie du weißt, bezeichnen sich die Leute dort auf Zazaki „Dımıli", aber im Türkischen nennen sie sich Zaza.

A.B.: Akzeptieren die Älteren, die keineswegs mit der Politik zu tun haben das Türken- oder Kurdentum für sich selbst?

İ.S.: Niemals. Bis heute konnte ich bei unseren Älteren auf niemanden treffen, der sich als Türke oder Kurde ausgab. Und Jugendliche, die sich als Türke oder Kurde betitelten, habe ich auch mal erlebt, dass sie ziemlich empört darüber waren.

A.B.: Haben die Leute in Anatolien und besonders in der Zaza-Gebiet Schwierigkeiten, sich zu beschreiben?

İ.S.: Absolut. Auch wenn heute solche Probleme kaum erlebt werden, weiß man, dass in der früheren Zeit sie enorm waren und dass viele unserer Leute sich als Kurde erklären versuchten. Man kann aber derzeit nicht von solchen Problemen reden. Einer der ein wenig Ahnung von der Welt hat, weiß, wer die Zazas sind.

A.B.: Jede Gesellschaft und jeder Stamm besitzt eigene Geschichts-Auffassung. Wie wird euch erklärt, woher die Zazas kommen und was sie sind?

İ.S.: Uns wurde mehr von unserem Stamm erzählt, aber man fügte hinzu, dass auch die anderen Stämme mit uns zusammen gekommen sind. Mein verstorbener Großvater hatte uns die Vaternamen der 17 zurückliegenden Generationen aufschreiben lassen. Laut ihm seien wir von Basra nach Anatolien gekommen, zuerst besiedelten wir von Diyarbakır die Kleinprovinz Kulp, von dort aus dann in der Richtung der Thavz Berge liegende Dorf Eskar. Kulp und Thavz sind sowieso zusammenhängend. Aufgrund dessen wird unser Stamm Thavzıj (Thavzler) genannt. Als unser Urgroßvater hier ankam, hatte er 7 Söhne und eine Tochter. Ich war erstaunt, als ich die Erzählung von meinem verstorbenen Großvater Jahre später von einem alten Zaza in Diyarbakır wieder hörte. Denn sie war haargenau gleich und wir waren keineswegs miteinander verwandt. Aber die wirkliche Erstaunung erlebte ich in den Jahren in der Uni, wo ich einen Zaza aus Aksaray kennen lernte; ich hörte von ihm die gleiche Geschichte. Ihnen wurde auch die gleiche Abstammungsgeschichte erzählt. Es kam der Anschauung der Historiker, wonach von Dailam zwei Stämme der Zazas sich trennten und nach Nord- und Südanatolien einwanderten gleich.

A.B.: Tı se vanê; Zazay koti (kamca) ra amey, verênde itıqatê xo çık bi? (Was meinst du woher die Zazas stammen, welcher Religion gehörten sie an?)

İ.S.: Ero, tı ma kışti. Ma Zazaki mıjul bıb yon Tırki. Tı zi ju qırarêk bıd, ma a ju guerı mıjlayiyê xuı dewom bık (Mensch, du bringst mich noch ins Grab. Sollen wir jetzt uns auf Zazaki unterhalten oder auf Türkisch; entscheide dich, damit wir auch dementsprechend unsere Unterhaltung fortführen können). Wie auch immer. Aus dem Grund, den wir am Anfang genannt haben, mache ich mit Türkisch weiter. Aus meinen Erforschungen, den gehörten Sachen kam ich zu diesem Schluß: Zazas sind die Nachfahren der Dailamiten. Das heute in den iranischen Grenzen liegende Dailam-Gebiet ist unsere wahre Heimat. Auch zu dieser Zeit wurden die Zazas als Zazas bezeichnet. Aber es waren eher die geographischen Namen das Ausschlaggebende. Wenn man dem Wort Dailam am Schluß das „i" hinzufügt, kommt Dailami daraus. Und Zazas sind mehr mit diesem Namen bekannt. Jedoch sind in den verschiedenen Schriften auch das Wort Zaza erwähnt. Zazas nehmen in der islamischen Kultur eine sehr wichtige Rolle ein. Sie spielen bei die Gründung der Stadt Kūfa und nachher eine große Rolle. Die Handwerker der Stadt Kūfa waren Dailamiten. In dieser Epoche haben bekannte Hadith-Gelehrte und Exegeten das Wissen aufgebaut. Einer der Kūfa-Dailamiten war der berühmte Hadith-Gelehrte „Yahya bin Zazan". Sie fingen mit den Zazas in islamischer Beziehung den Kadisiye-Krieg an. Wie auch der iranischer Historiker ‘Abbās Parvin äußert, sind die Zazas als kriegerische Persönlichkeiten zum Vorschein getreten. Im spezialen sassanidische Verteidigungs-Heeer fungierten die dailamitischen Zazas als Söldner. Der Kommandeur der islamischen Armee Sad bin Abī Waqas, der dies bemerkte, sandte einen Boten und rief: „ihr kämpft für Geld, ich gebe euch die doppelte Menge an Geld". Die dailamitischen Zazas verließen die sassanidische Armee und stellten sich im Kadisiye-Krieg auf der Seite von Sad bin Abī Waqas in der islamischen Armee, die als Sieger hervortrat. Zu der Zeit fing die individuelle Islamisierung an. In der späteren Ära fand einer der Söhne von Hz. Ħusain namens Zaynal Abidin nach der Karbalā-Katastrophe Zuflucht in Dailam. Er ließ sich in Dailam nieder. Meiner Meinung nach geht bei den Zazas der Terminus Khurêş und die Behauptungen über Seyyids darauf zurück. Wo früher die zaratusthrischen Lehren den Glauben der Zazas darstellte, wurden die Zazas in der späteren Periode islamisiert. Heutzutage kann trifft man sowohl bei alevitischen als auch bei sunnitischen Zazas zarathustrische Rituelle an. Zum Beispiel verwenden wir „Homa" für „Gott" hat. Das war der Name, der bei den Zarathustrern für geistliche, die halbprophetische Eigenschaften trugen, gegeben wurde. Im Islamsierungsprozess haben die Zazas sich aus dem Arabischen entlehnten Wort ilāh „Gott" als Alternative angeeignet. Die Begriffe blieben gleich, nur der Inhalt änderte sich. Wenn wir einen Blick auf Zazaki werfen, werden wir Sachen, die in Kontext mit der Geschichte der Zazas stehen, finden.

A.B.: In Bingöl leben wie du schon gesagt hast auch Aleviten. Wie sind die Beziehungen? Die Sprache ist gleich, aufgrund der Dialektunterschiede kann es zwar Verständigungsschwierigkeiten geben, aber wie bei uns beiden kann dies mit der Zeit überwunden werden; aber wie sollte man die unterschiedliche Kultur bewerten? Natürlich beschränkt sich dieser Sachverhalt nicht allein auf die Zazas, es gibt bei jeder Sprachgesellschaft Unterschiede in der Religion.

İ.S.: Ja, in Bingöl leben Aleviten und auch Sunniten. Heute gibt es in keiner Weise irgendwelche Probleme. Früher gab es besonders im Bingöl Zentrum einige Probleme. Die heutige Jugend jedoch schafft es, zusammen eine schöne Freundschaft aufzubauen. Heute zählt als Basis für die Freundschaft nicht die Religion, sondern die soziale Situation und die Interessen. Genauso wie die Freundschaft zwischen uns, werden viele andere Freundschaften ähnlich gebildet. Nur in dem Zeitpunkt der Heirat entstehen Probleme, die aber bei weitem nicht mehr so groß sind wie früher.

Ich glaube es nicht, dass es bei der Sprache Verständigungsprobleme geben kann. Das heutige Verständigungsproblem ist ein Resultat von früher vorhandener Kommunikationsbarriere. Das wird auch mit der Zeit gelöst sein. Wir wussten bevor wir vom Dorf umsiedelten, nicht, dass auch in anderen Gebieten Zazaki gesprochen wird, wir dachten, dass die Zaza- Geographie sich nur auf unser Gebiet beschränkt, dass nur wir Zazaki reden. Aber als wir nach den Vertreibungen Zugang zu den großen Städten hatten, wurde uns klar, dass es doch nicht so ist. Es gab doch auch andere Zazas, die auch ein unterschiedlicheres Zazaki reden. Ihre Sprachen waren irgendwie nicht verständlich. Aber nach ein wenig Schwanken stellte ich fest, dass wir in Wirklichkeit doch in gleicher Form sprechen. Ich denke nicht, dass es jetzt solche Probleme in der Verständigung gibt.

Zu den kulturellen Unterschieden, ja, das gibt es wie du gesagt hast nicht nur bei den Zazas, das ist überall existent und es ist ziemlich normal. Jedoch ist dieser Unterschied kein Hindernis für eine Kommunikation. Wenn die Menschen sich bemühen, miteinander umzugehen, dann entsteht eine schöne Verständigung. Wenn man beginnt, die Nachbarschaft- und Freundschaftlichkeit aufzubauen, kommt dieses Problem ins Rücklicht. Wenn die Menschen also den Namen vom gegenüberstehenden ohne sich irgendwas dazu zu denken aussprechen kann, dann verschwindet ab diesem Zeitpunkt das Problem. Kurz gesagt, sind kulturelle Unterschiede kein Hindernis davor.

A.B.: Wie sollte man angesichts der kulturellen und religiösen Unterschied handeln, sollte man gemein oder getrennt arbeiten, um die Sprache am Leben zu erhalten?

İ.S.: Es wäre ein unglücklicher Zustand, wenn man um die Sprache zu erhalten, sich in kulturelle und religiöse Sekten teilen würde. Weil die Sprache und de Religiosität zwei paar Schuhe sind. Falls der einzige Weg darüber geht, für den Erhalt der Sprache religiöse Propaganda zu machen, ja, dann ist eine Trennung unüberwindbar. Jedoch wird die Sprache auch als Sprache angesehen, und wenn daran gearbeitet wird, die Sprache zu konservieren, kann nicht die Rede von einer kulturellen oder religiösen Barriere sein. Das heute vom Aussterben bedrohte Zazaki zu retten, ist eine kollektive Arbeit der einzige Weg. Mit einer bewussten Organisation und dem Fleiß der Bevölkerung kann die Sprache gerettet werden. Das Potential der Sprache muss freigesetzt werden, und sie muss die Tatumsetzung beim Leben der Bevölkerung gewinnen. Es ist keine Aktion, sich individuell Zuflucht in einer Reihe von Hürden zu suchen. Egal ob einer Alevite ist oder Sunniite, Zaza ist Zaza. Es tut mir am Herzen weh, wenn diese Abgrenzung in dieser Epoche noch immer durchgeführt wird. Dieser Zustand ist eine richtige Klemme. In dieser globalisierten Welt, wo das Menschsein einfacher geworden ist, ist es nicht logisch, Ghettos zu gründen.

 

A.B.: Wobei, kannst du uns sagen, ob ihr mit den Derken, Siverek, Lice, ERgani und Mutki Zazas von der Mundart und von der Kultur her gleich seid?

İ.S.: Nein. Unser Zazaki ist von dem das in den von dir aufgezählten Gebieten gesprochen wird unterschiedlicher. Ich kenne das Mutki-Zazaki kaum. Allerdings war ich mal in Ergani und Siverek. Ich bin für eine zeit lang mit den Lice-Zazas in derselben Gegend geblieben. Ja, es gibt einen Unterschied, jedoch ist er kein Hindernis zur Verständigung. In kurzer Zeit kann eine Verständigung erfolgen. Von der Kultur her gibt es keine großen Unterschiede. Es sind schier die gleichen kulturellen Eigenschaften vorhanden. Also wir ähneln uns.

A.B.: Gibt es eine Kultur der Wallfahrtstätten in Dörfern? Kultfiguren und Dämonen wie Xızır (Ḫiḍr), wayirê mali („Viehschützer"), wayirê kêi (çêi) („Hausbeschützer"), Şarık Şıwane? Wird Wild gejagt und gegessen?

İ.S.: Ja. Wallfahrtstättenkult ist sehr verbreitet. In unserem Dorf gibt es auch den Wallfahrtsort„ziyar". Die Menschen pilgern dorthin und bringen Opfer dar. Den Xızır-Kult gibt es abgesehen von den Aleviten auch bei den Sunniten in einer etwas unterschiedlichen Version. Aber die soweit ich weiß ist die in Dersim existierende „Wayirê mali und wayirê kêyi"-Kultur in unserer Kultur nicht enthalten. Şarık Şıwane ist eine Legende, die intensiv erzählt wird. Wie auch in vielen Gebieten. Phaskuvi lässt sich nicht fangen. Hat keinerlei negative Aspekte in unserer Kultur.

A.B.: Einer der wichtigsten Punkte, die das Existenzgefühl einer Gesellschaft ausmachen, ist auch die Heirat. Natürlich, wenn wir die alten Stammeskämpfe außer Betracht lassen, welche Ehen akzeptiert man allgemein?

İ.S.: Die Heirat ist sehr wichtig. Es ist in unserer Kultur einer der Themen, die am meisten wichtig sind. Zu diesem Thema gibt es wie in manchen feudalen Regionen keine Abgrenzungen. Aber von Zeit zu Zeit müssen die Eltern den Jugendlichen ihre Schranken zuweisen. Früher wurden von feindlichen Stämmen keine Mädchen zur Braut genommen. Außerdem legte man Wert darauf, dass die anzuheiratende Braut auch passend ist. Heutzutage werden von jedem Gebiet geheiratet und zu jedem Gebiet zur Braut vergeben. Früher jedoch hat man fernen Gebieten keine Mädchen zur Braut gegeben. Es gab allgemein eine so genannte dorfinterne Ehe. Man heiratete unter Verwandten, oder mit welchen aus dem Dorf und der Nähe. Das Wichtigste war allgemein, mit Zazas zu heiraten. Es gab eine Distanz gegenüber den Kurden und Türken.

A.B.: Gleich werden wir auch zur Allgemeinheit kommen; aber dass man Kurden und Türken keine Mädchen zur Braut gab, habe ich auch von den zazas aus Siverek und Çermik gehört, es kam mir eigenartig vor. Denn in der alevitischen Gesellschaft gibt man mehr dem Glauben Wert als der Sprache, also ist es wichtiger, dass jemand Alevite (gleich ob Zaza, Kurde, Turkmene oder Araber) ist, als Zaza.

İ.S.: Ja. Die Glaubens-Sache herrscht auch unter sunnitischen Zazas. Zum Beispiel werden mit den Aleviten nicht so viel geheiratet. Aber auch gegenüber Kurden und Türken existiert dieselbe Haltung. Wenn einer zum Beispiel einer von den Kurden ein Mädchen heiraten will, wird kritisiert und verspottet. Die Religion ist beim Thema Ehe wichtig, aber auch die Sprache. Lassen wir die alten Zeiten ruhen, auch zu unserer heutigen Zeit kann die Sprache die Heiratsgewohnheiten der Jugendlichen beeinflussen.

A.B.: Ich weiß nicht, ob es nötig ist, es zu erwähnen .Aber Liebe und Freundschaftlichkeit kennt keine Nation oder Glauben, es soll jeder mit dem den er will zusammen sein. Jedoch im Endeffekt sollte es auch in bestimmten Sprachen eine Kommunikation vorhanden sein.

İ.S.: Natürlich kennt die Liebe keine Sprache oder Ethnien. Wir reden hier nur von ein paar Punkten. Wir beabsichtigen natürlich keine Abgrenzung. Das ist die Arbeit der Rassisten und Faschisten. Es ist wichtig, auf gewissen Sprachen sich verständigen zu können. Denn, wenn eine Freundschaft aufgebaut wird, muss sie auf die Teilung der gemeinsamen Werte basieren.

A.B.: Gehen wir kurz auf die Historie ein. Waren die sunnitischen Zazas in der Osmanen-Zeit auch autonom wie die Kurden oder die Aghas. die sie regierten? Gab es ein Bündnis?

İ.S.: In Sachen Geschichte bin ich nicht so berufen. Außerdem kann ich daraus auch nicht viel ziehen. Aber wie wir gelesen und gehört haben, konnte man von einer Autonomie reden. Ich denke nicht, dass es ein Bündnis gab, denn, wenn es das gegeben hätte, dann wäre die Situation unter der Scheich Said und Seyid Rıza gelebt haben, viel unterschiedlicher verlaufen.

 

A.B.: Wie waren die Kontakte der Zazas zu den Kurden und Armeniern?

İ.S.: Die Beziehung der Zazas zu Kurden und Armeniern war eine nachbarschaftliche. Die Zazas waren im historischen Prozess immer eine geschlossene Gesellschaft. Daher hatten sie kaum Kontakt zur Außenwelt. Die Zazas in unserer Gegend konnten mit Kurden nicht gut auskommen. Eis soll viele Blutfehden gegeben haben. Die Beziehung zu den Armeniern war aber viel besser. Man könnte sogar von Patenverwandtschaften reden. In der Zeit der Armenierfrage haben die Zazas und Armenier miteinander Bündnisse abgeschlossen. Sollten die Russen kommen, hätten die Armenier die Zazas beschützt, und falls die türkische Armee kommen sollte, die Zazas die Armenier.

A.B.: Du erzähltest von deinem Großvater. War er beteiligt an dem Scheich Said Aufstand? Wer war am Aufstand beteiligt? War es wie behauptet und geschrieben wird ein national oder doch eine religiös motivierter Aufstand?

İ.S.: Ja, unsere Leute haben uns erzählt, dass unser Urgroßvater am Scheich Said Aufstand beteiligt war. Mein Großvater war zuhöchst ein intellektueller Mensch. Er war sehr informiert über die Geschichte und das Weltgeschehen. Die ersten Forschungen haben wir immer von seinem Wissen erhalten. Am Scheich Said Aufstand waren im Allgemeinen Zazas beteiligt. Es war kein national motivierter Aufstand. Und wenn es einer wäre, es wäre trotzdem ein Zaza- und kein kurdischer Aufstand. Denn, die die ihn angefangen und verwirklicht haben, waren Zazas. Von den Kurden waren nur die Xalıt Begê Cibrî und seine Anhänger dabei.

 

A.B.: In Dersim hat man ohne zwischen Kinder und Erwachsenen, Mann und Frau zu trennen mit Schwerwaffen und Bajonetten Menschen massakriert; kannst du uns Informationen darüber geben, wie es bei Euch ablief?

İ.S.: Dersim wurde ein Zeuge der blutigsten Völkermorde in dieser Geographie. Ich hab noch nie von einem Fluss gehört, der so tiefrot wie Munzur floss. In den Anfangszeiten der Republik, ganz besonders nach dem Aufstand, wurden auch in unserer Gegend viele Dörfer verbrannt, zahlreiche Menschen vernichtet. Zuerst in den Anfangszeiten, dann in den 90er Jahren der Republik gab es regelrecht einen Völkermord durch die Vertreibung an die regionale Bevölkerung. Man will gar nicht darüber sich Gedanken machen oder darüber sprechen. Weil das wirklich über unser Durchhaltevermögen geht.

A.B.: Hat dein Großvater von Said Riza, Dersim und Munzur erzählt?

İ.S.: Natürlich, ich hab das „Bugday Meydani" als erstes von ihm gehört. Auch das blutrot fließende Munzur hab ich zuerst von ihm gehört. Ich habe auch von ihm erzählt bekommen, dass Scheich Saids Bruder Abdurrahim von Syrien in die Türkei aufwärts ging um Seyid Riza zu helfen, aber mit seiner Gruppe in Urfa ermordet wurde.

A.B.: Kommen wir zum Allgemeinen. Könntest du als einer der mit Zazas aus den verschiedensten Gebieten bekannt wurde sagen, wie die sprachliche, kulturelle und wirtschaftliche Situation ausschaut? Wie kann dieses Volk schaffen, seine Existenz in diesem Medienzeitalter aufrechtzuerhalten? Kann man in dieser Ordnung Frieden, Brüderlichkeit und Gleichheit schaffen?

İ.S.: Das ist eine Utopie, und ich glaube niemals an Utopien. Natürlich kann einer, ein Leben führen, das auf Frieden, Gleichheit und Brüderlichkeit basiert.

Die Zazas teilten die Eigenschaft, eine geschlossene Gesellschaft zu sein. Deswegen konnten sie gegen jede Assimilations-Bestrebung Widerstand leisten. Zum Beispiel gibt es zwischen dem Zazaki, was Peter Lerch in seiner Zeit für seine Aufzeichnungen verwendet hat und dem heutigen Zazaki keine Unterschiede. Das ist aber bei Türkisch nicht der Fall. Zum Beispiel kann ein normaler türkischer Staatsbürger das 1920 von Atatürk verfasste „Ansprache an die Jugend" nicht verstehen. Weil eine sprachliche Evolution erfolgt ist. Die Zazas waren mit der Außenwelt nicht befriedet, existierten immer unter sich.

Wo unsere Menschen früher von der Viehzucht und Landwirtschaft lebten, sind sie im Prozess der Urbanisierung gelandet, sie passen sich den heutigen Gegebenheiten an. Wenn wir auf heute schauen, hat die städtische Bevölkerung schon längst die Zahl her die ländliche überholt. Die ländliche Bevölkerung hat auf jeden Fall eine Bindung zu der städtischen, aus diesem Grund sind sie mit der Urbanisierung konfrontiert. Dieser Zustand beeinflusst sowohl die Kultur als auch das Leben. Während es in der kulturellen Beeinflussung negatives gibt, trägt die wirtschaftliche positives bei. Diese Situation ist in der ganzen Zaza-Region gleich.

Die einzige Chance, dass die Zazas ihre Kultur erhalten können, ist, es der Jugend weiterzuleiten. Es gibt einen Weg, und das ist die heranwachsende jugendliche Generation. In dieser medialen Welt muss man als erstes auch die Medien dazu benutzen.

Die Zazas müssen auf jeden Fall ihre eigenen Medien ergründen. Es sind mindestens Zeitschriften, Zeitungen und Fernsehsender nötig. Es ist ein Aufklärungs-Prozess bei unseren Menschen nötig, ohne gegen das Volk zu sein. Leute die ihr Ego nicht in Griff haben können keine Anführer der Intellektuellen sein. Wie ich schon vorhin gesagt habe, müssen die Zazas unbedingt ihre eigenen Medien gründen. Dafür müssen die Menschen sich viel Mühe geben. Wenn in den folgenden 10-20 Jahren nichts unternommen wird, dann glaube ich nicht, dass die Zazas noch eine Kultur, die sie vererben können, besitzen werden. Die nächsten 10-20 Jahre werden ganz wichtig sein. Es ist die Epoche wo es um das Sein oder Nichtsein geht. Die Zeit wo wir entweder verschwinden oder weiter existieren werden. Neben den Medien sind auch bürgerliche Initiativen nötig. Das soll das Volk daran erinnern, dass es Menschen gibt, die an sie denken, sie schützen und dass diese Menschen wiederum von diesem Volk abstammen. Im entgegen gesetzten Fall wird unsere Gutmütigkeit nur eine Lächerlichkeit bleiben.

(…)

März 2006

(Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift Çıme, http://cimezaza.tripod.com/  , Ausgabe (amor) 6, Winter 2006/07. Das Interview wurde jedoch vor der ersten Ausgabe der Zeitschrift für Philosophie und Literatur auf Zazaki - Miraz (http://www.miraz.biz) geführt.)