Esther Schulz-Goldstein

Tertele und R̉oza Şiae[1]

 

Sehr geehrter Pir Ali Çiçek, liebe Zaza aus Dersim, liebe Freunde.

 

Dersim liegt im oberen Euphratgebiet Ostanatoliens und ist etwa so groß wie Lichtenstein. Einige Gipfel des dortigen Antitaurus sind 3000er und deren Täler bilden Beckenlandschaften, die für das osmanische Militär lange Zeit uneinnehmbar waren. ”In den letzten 30 Jahren fand in Dersim 11-Mal eine Konfrontation mit der Armee statt. Der Armee war es niemals möglich, das Kutu-Tal zu betreten oder den Bakir Berg zu besteigen[2] referierte ein Anklagevertreter1937 im Prozess gegen Seyit Riza und den anderen Stammesführern in Elaziĝ.

Dieser geologische Vorteil ermöglichte den alewitischen Zaza, unter denen Armenier, Jesiden, Assyrer und auch Türken lebten, Jahrhunderte lang einen relativ autonomen Status im Osmanischen Reich.

Der deutsche Botschafter im Osmanischen Reich, Graf Wolf-Metternich bemerkte 1915: „Die Geschichte des türkischen Reiches von seinem Beginn bis in die letzten Zeiten ist da, um die Richtigkeit des Satzes zu beweisen, dass im Orient Glaubensbekenntnis und Nationalität identisch sind, und jeder Osmane ist in seinem Inneren hiervon überzeugt.[3] Die sunnitischen Jungtürken hatten in der Nationengründung die Macht an sich gerissen und vertraten folgende Devise:Ein großer Teil des jungtürkischen Komitees steht auf dem Standpunkt, dass das türkische Reich nur auf rein mohammedanischer pantürkischer Grundlage aufgebaut werden kann.[4].

Der türkisch nationalistische Wahn, der Ideologieproduzenten verstärkte sich im Zuge der Homogenisierung des Volkes durch die Vernichtung der Ursprungsidentität im Ethnozid.

Er heiligte die türkische Nation und verteufelte die nicht zu türkisierenden Minderheiten wie die Christen, alewitischen Zaza und Jesiden.

Die Aufspaltung des jungtürkischen Weltbildes in Heiliges und Teuflisches im Untergang des Osmanischen Reich furchte den Weg aus dem kulturellen Reichtum der Osmanen in die Differenz auslöschende Türkisierung, die einem faschistischem Regime Platz machte.

Deshalb konnten nur Türken in das homogenisierende Identitätskonzept der jungtürkischen Eliten für die aufzubauende Republik aufgenommen werden. Von osmanischen Intellektuellenkreisen wurde in Paris 1887 die Zeitschrift „La Jeune Turquie” in französischer Sprache veröffentlicht. Die gebildeten Osmanlis sprachen Französisch und englisch aber kein türkisch.

Die Türken mussten in der neuen Identitätspolitik der Jungtürken erst erschaffen werden wie Tekin Alp ein nationalistischer Theoretiker diagnostizierte. Er[5] veröffentlichte 1928 einen Aufsatz in osmanischer Sprache.

Seine Kapitel überschreibt er mit „Die Türkisierungspflicht“[6] Er stellt seine „Nationalisierungsmethode“[7] vor und beschreibt, „Ziel und Zweck der Türkisierung[8]. Er zitiert Gökalp, „Es gibt keine andere Lösung. Jedes Individuum, das sagt, ich bin Türke, als Türke zu betrachten.“[9] 

Er berichtet sein Ansicht, „was ein Türke ist[10]. Er gibt folgenden Dialog wieder.

Frager:      Woher stammst Du?

Antwort:    Ich bin aus Bosnien

Frager:     Welchem Volk gehörst Du?

Antwort:   Ich bin Türke

Frager:    Kannst Du türkisch?

Antwort   Nein“[11]

Alp erklärt, „Was eine Nation ist[12] und definiert, „das Nationalität Gesinnung sei[13] und stellt die Frage: Wie die Integration der anatolischen Völker in ein homogenisiertes Nationenkonzept geschehen soll.

Er entwickelt darin „10 Gebote der Türkisierung[14].

1. Die Namen müssen Türkisiert werden.

2. Es darf im Lande nur noch Türkisch gesprochen werden

3. Lies bei den Suren  wenigstens einige Teile auf Türkisch

4. Die Schule ist der Ort der Türkisierung

5. Die Kinder werden in Landesschulen geschickt

6. Alle müssen sich mit der Geschichte des Landes befassen

7. Es darf nur Umgang mit Türken gepflegt werden.

8 .Entwurzle die Seele der Ursprungsgemeinde /Gesellschaft

9. Mache das Nationale ?. ?. zur Pflicht.

10. Halte / bleibe?) geheim.[15]

Dies ist die Handlungsanleitung für einen Ethnozid.

Wer sich dieser jungtürkischen Identitätspolitik entgegenstellte wurde durch Genozid und Ethnozid innerhalb der Türkisierung ausgelöscht.

Der Völkermord in Dersim im Jahre 1937 und 1938 ist die vollendete Umsetzung der Homogenitätsthese der Jungtürken: ein Reich, eine Sprache und eine Religion, wobei Letztere von den Jungtürken als Ethnizität verstanden wurde.

Jahre zuvor kostete der Homogenitätsanspruch der Jungtürken den syrischen, griechischen und armenischen Christen das Leben.

Die Zaza hatten in ihrem Dersimer Glauben – İtıqatê Dêsımi- im friedlichen Zusammenleben mit den Armeniern christliches Gedankengut übernommen. Yemos Chatun, die Tochter eines Stammesführers berichtet in einem Interview von der religiösen Nähe zwischen den Zaza-Alewiten und den christlichen Armeniern.

Frau Chatun:“Außer meinem Vater sprach niemand im Dorf türkisch. Wenn die Leute Probleme oder Streitigkeiten hatten, kamen sie zu ihm…Es waren herrliche Tage in Agdat. Jedes Jahr kamen die Priester aus Malatya und Sivas zu uns. Unsere Gästezimmer waren voller Menschen. Zuerst besuchten wir Pilvenk, dann opferten wir beim Sultan Süleyman die Schafe. Die Priester blieben 40 Tage zu Besuch, feierten Cem und wir tanzten Semah.

Dem Gastgeber brachten die Menschen Butter, Honig und andere Lebensmittel. Unsere Tage vergingen in Freude und Genuss.

Unsere Armenier waren sehr nette Menschen. Es gab keine Differenzen zwischen uns und Ihnen. Niemand hat ihnen etwas getan. Wir hatten sogar gemeinsame Friedhöfe. Sie hatten auch Priester und Heilige. Wir waren untereinander als Trauzeuge und Paten verbunden. Ihre Heiligtümer finden sich heute noch in Agdat. Sie hatten ein „Gağan- Fest. Es wurde nur zu einer anderen Zeit gefeiert, als unserer „Gağan-” Während des „Gağan-” machten alle im Dorf Essen aus Teig und „Gawut”, und einige opferten. Wir freuten uns immer auf die Gağan- - Zeiten“ [16] 

 Sie hatten auch gemeinsame Heilige vor denen sie mit den christlichen Armeniern gemeinsam opferten und vertraten sich gegenseitig als Beschneidungspaten. Der Harput – Missionar Edward Carey war 1910 überzeugt, dass der dortige Glaube starken Einflüssen des armenischen Christentums ausgesetzt war, und dass er viele Zaza absorbiert habe. Der theologischen Nähe entsprach das Zusammenleben mit dem christlich armenischen Nachbarn, zu deren Klöstern man gemeinsam Wallfahrtete, dessen Heilige man verehrte und dessen Priester man achtete. Ein Pir der Region Kocgiri, westlich von Dersim, verneinte dem jungen osmanischen Beamten Hasan Reşit Tankut jegliche armenische und alevitische Differenz: Die Distanz zwischen Aleviten und Armeniern misst nicht mehr als ein Zwiebelhäutchen. Diese glauben an Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist, wir nennen diese Dreiheit Allah, Mohammed und Ali. Sie haben zwölf Apostel wir haben 12 Imame. Gebets und Fastenzeiten sind bei beiden Völkern ungefähr dieselben. Sie heiraten nur eine Frau, wir auch. Sie schneiden weder Bart noch Schnauz- noch Achselhaare, wie wir. Sie vollziehen wie wir keine rituellen Waschungen. Sie legen Zeugnis ab, indem sie das Kreuz auf ihrer Brust machen, wir, indem wir die Handfläche auf die Brust abstützen. Wir sind später unserem heiligen Ali nachgefolgt, weshalb wir uns Alevi nennen. Sonst gibt es zwischen uns keinen Unterschied[17].

Mit Bezug auf die Gespräche über ostanatolische, armenische und griechische Minderheiten in der zu gründenden Türkei notierte sich Riza Nur, der Generalsekretär der türkischen Konferenzdelegation in Lausanne, dass „diese fremden Elemente eine Plage und Mikroben seien und dass man die Kurden[18] mittels „Assimilationsprogramm von der fremden Sprache und Rasse reinigen müsse[19]. Nach der türkischen Nationengründung und Entwicklung der türkischen Luftwaffe wurde Dersim von der türkischen Armee erobert.

Die Dersimer haben eine ausgeprägte Sangeskultur, in der sich ihre Geschichte tradiert. Frau Yemos Chatun ist die Schwester von Findik, dem Sohn von Qemer Agha. Findik wurde als Erster vor Seyit Riza 1937 auf dem Marktplatz in Elazig erhängt. Yemos Chatun, ist die Tochter des Qemer Agha der Yusufan und singt in einem Lied:

„Welch Kummer, welch  Kummer, mein Agha!”

Qemer Agha sandte einen Brief vom Gefängnis

Zu fragen, welcher der Söhne am Leben sei.

„Zerbreche nicht, mein Qemer Agha!

Der Todmacher Koceli schärft Messer für die Kinder!

In unserer Heimat, gibt es keine Luft mehr zum atmen!”

Frau Chatun berichtet Die Ereignisse im Jahre 37/38 haben so angefangen. Es hatten Kämpfe zwischen den Stämmen stattgefunden. Kämpfe waren zwischen unseren Stämmen damals an der Tagesordnung. Als Satoglu Mehmet, vom Kirgan Stamm, vom Sohn des Seyit Riza verletzt wurde, war Mistefa Silic als Arzt zuständig. Der war in Dersim ein berühmter Arzt. Er behandelte den Verletzten und die Wunde heilte. Die Knochensplitter, die er aus der Wunde heraus operierte, gab er Mehmet und dieser hob sie in einem Beutel über sein Bett auf, damit er seine Rache nicht vergesse. Nach einiger Zeit ritt Seyit Rizas Sohn mit seinen Freunden nach Hozat. Als er zurückkehrte, wurde ihm von Mehmet im „Sin” Dorf ein Hinterhalt gelegt und er wurde getötet.

Nach diesen blutigen Morden zwischen Abasan und Qırgan Stämmen wurden die Kämpfe härter. Während dieser Stammeskämpfe forderten einige Stämme von der Regierung eine Militärgarnison in Dersim. In Dersim waren die meisten Menschen gegen eine Militärstation. Die Beziehungen zwischen Dersim und der Regierung waren seit längerer Zeit nicht gut. Die Regierung verlangte von meinem Vater, dass er die Armenier der Armee ausliefern sollte. Dies tat mein Vater nicht. Mein älterer Bruder Findik lehnte auch wie Seyit Riza Militärstationen in Dersim ab. Zwischen den Stämmen Abasanu und Jusufan waren die guten Beziehungen zerstört. Es gab Probleme mit den Tieren und mein Bruder Findik tötete den Gülabi[20] vom Abasanu Stamm und dessen Neffen. Wir waren mit den Satoglu verschwägert. Als Mehmet Satoglu den Sohn des Seyit Riza in „Sin” tötete, wollte Seyit Riza Blutrache ausüben. Mein Vater war gegen die Blutrache und verletzte Seyit Riza sehr[21].

 

Die Forderung des Militärs, die Armenier, die unter dem Schutz von Qemer Agha stehen, auszuliefern, ist unerfüllbar, das verbietet die Ethik der Zaza. Das weiß auch das Militär. Es hat den Anschein, das, es Gründe konstruiert um eine militärische Rechtfertigungsstrategie für den Einmarsch nach Dersim zu finden. Nach eigener Recherche gab es in der Geschichte der Zaza noch nie so viele Stammeskämpfe. Es wird deutlich, diese Kämpfe haben dem türkischen Militär genützt und ich behaupte ohne dass ich dies vorläufig belegen kann, dass sie vom Militär initiiert wurden. Den Sohn Seyit Rizas ermorden zulassen, war zweifellos taktisch günstig. Denn das musste die Blutrache provozieren. Einige alevitische Zaza glaubten vor Stammeskämpfen geschützt zu sein, wenn das Militär in Dersim einmarschiere. Dieses Denken war Teil der psychologischen Kriegsführung die ermöglichen sollte in Dersim einmarschieren zu können, ohne Wiederstand zu provozieren.

Frau Chatun berichtet weiter:  „Dagegen sagte mein Vater, es wäre völlig egal für ihn, ob die Regierung Militärstationen in Dersim aufbaue oder nicht, was solle schon passieren.

Im Dorf „Saxşêg” wurde eine Militärstation errichtet und eingeweiht. Der Stamm Demanan war strikt gegen diese Aufstellung in ihrem Stammesgebiet. Es gab unter den Stämmen regelmäßige Zusammenkünfte zu diesem Thema.

Meines Bruders Findik Haus lag neben den armenischen Häusern, er hatte ständig Gäste. Eines Tages kam mein anderer Bruder nach Hause. Er war in der Militärstation schwer misshandelt worden. Findik hat diese Missachtung nicht ausgehalten und ging in Selbstüberschätzung allein zur Soldatenwache. Er hat mit dem Oberleutnant Ismael Hakki gestritten und ihn beschimpft. Er hatte vor niemanden Angst, er ging dann wieder nach Hause.“[22]

Diese Auseinandersetzung benutzte das Gericht für die Anklagekonstruktion des Mordes an Hakki im Prozess in Elazig. Der Prozess endete u.a. mit Findiks Tod durch den Strang.

Die Stammesführer hatten auf ihrem Treffen gefordert, dass der Stamm der Demanan sich gegen die Aufstellung von Militärstationen auf ihrem Gebiet wehren sollte. Auf einer Versammlung trafen sie gemeinsam die Entscheidung, dass die Brücke, die zur Militärstation führte, verbrannt werden sollte.

Vom Militär wird das folgendermaßen protokolliert. „Am 20 und 21.3.37 wurde die Brücke um 23 Uhr von den Demanan und Haydaran verbrannt. Die Telefonkabel wurden zerstört“[23].

Jene Ereignisse, die in Zazaki als „Schwarzer Tag“[24], umschrieben werden, erfüllen auch die in der UN-Genozidkonvention aufgezählten Straftatbestände von Völkermord[25].

Diese Straftatbestände ereigneten sich in Dersim. Vor der Weltöffentlichkeit konnte dieser Völkermord verheimlicht werden, weil die Medien sich auf den tobenden Spanischen Bürgerkrieg gestürzt hatten und damit unbewusst Kemal Atatürk gestatteten diesen Bürgerkrieg als Vorhang für seine Verbrechen zu nutzen.

Bericht des Henkers İhsan S. Çağlayangil

Das ehemalige Staatsoberhaupt[26] der Türkei İhsan S. Çağlayangil wurde von Ankara als Sonderbeauftragter zur Durchführung der Hinrichtungen der Eliten aus Dersim im November 1937 nach Elazig[27] entsandt. Der Schauprozess eines fliegenden Gerichts, gegen die Eliten der Zaza, wurde im Kinosaal von Elazig durchgeführt. Das Publikum musste wie bei einer Kinovorführung eine Eintrittskarte kaufen[28]. Der Rahmen dieses Prozesses unterstreicht die Inszenierung und Dramaturgie eines Theaters, das mit dem Tod der Hauptdarsteller endet. Er erzählt in seinen Memoiren folgendes:

Es waren Monate vergangen, Seyit Riza und seine Gefährten waren verhaftet. Die Gerichtsverhandlungen liefen. Genau zu dieser Zeit wollte Atatürk nach Diyarbakir zur Eröffnungsfeier der über den Euphrat neu erbauten Singec - Brücke kommen. Er wollte über dem Landweg zur Brücke. Der Polizeipräsident Herr Sükrü Sökmensüer sagte mir. ”Atatürk wird die Brücke eröffnen. Sechs tausend ‘weiße Hosen’ aus dem Osten sind nun in Elazig. Sie wollen Atatürk bitten, dass Seyit Riza am Leben bleibt. Lassen wir keine Gelegenheit zu, dass die ‘weißen Hosen’ vor Atatürk treten” Es war der 19.11. 1937, ein Samstagnachmittag, der gesetzliche Wochenendtag.

Atatürk wollte am Montag nach Elazig kommen. Von mir wurde verlangt: ”Wenn jemand hingerichtet werden soll, so soll es auch geschehen”, d.h. bevor die ‘weißen Hosen’ vor Atatürk treten, sollten die Hinrichtungen vollstreckt worden sei.[29].

Aufschlussreich ist beim Schreiber das er die Zazaki-Sprecher nicht beim Namen nennen kann. Sondern er bezeichnet sie nach so vielen Jahren nach dem Genozid mit ihrem Totengewand. Die Ostanatolier tragen im Grab weiße Kleidung. Sein verächtlicher Umgang verdinglicht die Zaza zu Totengewändern.

 „Zu dieser Zeit war der Gouverneur von Elazig, Sükrü, der Staatsanwalt Senihi, der Polizeidirektor Serezli Ibrahim, als Stellvertreter des Staatsanwaltes, ein Freund von mir, anwesend. Sükrü Sökmensüer gab mir den Befehl: ”Hole Dir alle Informationen in der politischen Abteilung des Polizeipräsidiums. Der Schutz Atatürks vom Bahnhof bis zum Volkshaus ist eure Aufgabe. ”Mit sechs Männern, unter ihnen vor allem Macar Mustafa, machte ich mich auf den Weg. Per Zug kamen wir in Elazig an. Ich ging zum Polizeidirektor Ibrahim. Er sagte mir, es sei unmöglich, dass der Staatsanwalt etwas tut, was gegen die Regeln verstoßen würde. Ich ging zum Staatsanwalt und legte ihm den Sachverhalt dar.

Der berichtete mir, dass er vom Justizministerium schon eine Chiffre[30] bekommen hätte, die Gerichte aber samstags keine Gerichtsverhandlungen durchführen dürfen und somit am Wochenendtag keine Urteile zu bekommen seien. Er fügte hinzu: ”Ich kann die Gerichte nicht beeinflussen.” Wir aber wollten, dass das Urteil gefällt wird, bevor Atatürk kommt und die Angelegenheit des Seyit Riza somit beendet und abgeschlossen sein wird[31].

Der Polizeidirektor besteht auf einen rechtsstaatlichen Justizmord.

Wie sicher der Schreiber und auch das Justizministerium einig sind, das vor dem Urteilsspruch der Tod von Seyit Riza feststand. Diese Sequenz unterstreicht den Charakter eines Schauprozesses indem das Justizministerium per Chiffre in diesen Prozess eingreift.

Ich wurde extra dafür von der Regierung beauftragt und hierher geschickt, damit ich diesen Sachverhalt erledige”, sagte ich.

 Der Stellvertreter des Staatsanwaltes, ein ehemaliger Mitschüler von mir im Fach Jura, empfahl: ”Sag dem Gouverneur, der Staatsanwalt soll ein Attest bekommen, und ich tue, was du willst.” Wir wollten, dass das Gericht an dem Wochenendtag tagt und das Urteil sofort vollstreckt wird. Der Staatsanwalt erhielt ein Attest.

Mein Freund vertrat als Stellvertreter den Staatsanwalt. Danach traf ich den Richter in seiner Wohnung. Er diktierte gerade das Urteil des Gerichtes. …Damals existierte im Vierten Gebiet kein Berufungsrecht[32]. Abdullah Pascha sollte das Urteil als Kommandeur des Ausnahmezustandsgebietes bestätigen. So schrieb er auf ein leeres Blatt: ”Das obige Urteil wird hiermit bestätigt”, und signierte das leere Blatt.

 „Nachts um zwölf Uhr gingen wir zum Gefängnis. Mit dem Autoscheinwerfer beleuchteten wir die Umgebung. Das Gefängnis hatte 72 Angeklagte. Wir brachten die Angeklagten zum Gericht. Der Zigeuner kam auch mit. Er verlangte pro Hinrichtung zehn türkische Lira. Wir akzeptierten. Die Angeklagten konnten kein Türkisch[33].

 

Wenn die Angeklagten kein Türkisch sprachen, hat kein Richter und Staatsanwalt mit den Angeklagten sprechen können.

 

Das Urteil wurde gefällt. Sieben der Angeklagten wurden zum Tode verurteilt, für einige von ihnen lautete das Urteil auf Freispruch, für die anderen unterschiedlicher Haftstrafen. Da der Richter im Urteilsspruch nicht den Begriff Hinrichtung, sondern die Todesstrafe verwendete, verstanden sie das Urteil nicht richtig. Sie jubelten: ”Keine Hinrichtung!”.

Aus diesem Absatz geht hervor, dass keine Dolmetscher zwischen Anklagevertretern und den Angeklagten im Gerichtssaal anwesend waren.

 Wir nahmen Seyit Riza mit und stiegen ins Automobil ein. Seyit Riza saß zwischen den Polizeidirektor Ibrahim und mir. Der Jeep hielt auf dem Platz neben dem Gendarmeriequartier. Seyit Riza begriff die Lage erst, nachdem er die Tischchen sah. ”Ihr werdet uns erhängen”, wandte er sich mir zu und sagte: ”Bist du extra aus Ankara gekommen, um mich zu erhängen?” Wir sahen uns an. Ich stand zum ersten Mal vor Jemanden, der hingerichtet werden sollte, von Angesicht zu Angesicht. Er lächelte mich an. Der Staatsanwalt fragte, ob er beten wollte. Seyit Riza wollte nicht. Wir fragten ihn nach seinem letzten Wunsch. ”Ich habe nur 40 Lira und eine Uhr. Gebt sie meinem Sohn”, sagte er. In diesem Augenblick wurde gerade die Hinrichtung von Findik Hafis vollstreckt. Während er erhängt wurde, riss das Seil zweimal. Als Findik Hafis hingerichtet wurde, stellte ich mich vor das Fenster, damit Seyit Riza es nicht sah. Seine Hinrichtung war beendet und wir brachten Seyit Riza auf dem Platz. Es war kalt und es gab keine Menschenseele in der Gegend. Aber Seyit Riza sprach in die Leere, als ob er eine Rede zu einer Menschenmasse halten würde. ”Wir sind Nachfahren von Çaldiran. Wir sind unschuldig. Es ist eine Schande. Ein Terror. Ein Mord.”, sagte er. Es überlief mich kalt. Dieser alte Mann lief mit gleichmäßigen, scharfen Schritten dem alten Zigeuner entgegen und stieß ihn um. Seyit Riza nahm das Seil und hängte es an seinen Kopf, trat den Stuhl und verwirkliche seine Hinrichtung selbst“ […][34]

Welch Über - Ich entlastende Phantasien wurden hier nieder geschrieben. Nicht das Schicksal hat Seyit Riza auserkoren zum Tod durch den Strang, sondern das Gericht hat die Todesstrafe verhängt und İhsan S. Çağlayangil hat den Justizmord auf dem kleinen Marktplatz in Elazig überwacht. So kann er seine eigene Verantwortung auf ein Schicksal projizieren um sich selbst von der Beihilfe beim Justizmord frei zu sprechen. Der Schreiber als Jurist weis, das hier ein Justizmord vorliegt denn ihm ist bekannt, das auch in der kemalistischen ‚“juristischen Tötungsmaschinerie“ ein über 60-jähriger nicht gehängt werden darf. Deshalb wird ihm kalt. Eins fällt noch auf, dass İhsan S. Çağlayangil der Henkerassistent aus Ankara kein Wort Zazaki sprach und Seyit Riza kein Wort Türkisch, wie der Memoirenschreiber selbst bezeugt.

Der Polizeidirektor Ibrahim neben Seyit Riza im Auto sitzend, war kein Zaza und verstand auch kein Zazaki. Wie war ein Gespräch zwischen İhsan S. Çağlayangil und Seyit Riza möglich. Wie konnte er eine gehaltene Rede auf einem menschenleeren Marktplatz, an ein imaginiertes Volk, verstehen und überliefern, wenn er die Sprache des Sprechers nicht versteht.

Als Seyit Riza hingerichtet wurde, war die Stimme des Sohns von Seyit Riza zu hören: ”Macht mich zum Diener, Sklaven, Hirten. Habt Erbarmen mit meiner Jugend, tötet mich nicht!

Der Sohn Seyit Riza sprach genauso wie sein Vater, kein Türkisch. Diese überlieferten letzten Worte sind ein phantasiertes Produkt”[35] 

 Der Schreiber weiß, dass er an einem Justizmord beteiligt ist. Das er die letzten Worte eines für die Zaza hoch angesehenen Mannes für eine Nachwelt erfand hat sicher mit seinem Umgang mit Realität zu tun. Er fühlt jedoch nach fünfzig Jahren keine Notwendigkeit sich von diesem Justizmord zu distanzieren.Atatürk, kam einen Tag später nach Elazig, er ging davon aus, dass wir die Angelegenheit nicht rechtzeitig beenden könnten. …Inzwischen sagte man mir, dass Atatürk mich zu sich gebeten hätte. Als ich dort war, frühstückte er gerade. Er zeigte mir ein Foto. Man hatte Seyit Riza fotografiert, als er hing. ”Was soll das Foto, Herr Polizeipräsident?“, fragte er mich. ”Ich weiß nichts davon”, sagte ich. ”Dann weißt du nicht, was um dich herum passiert”, sagte er und ergänzte. ”Schnell, geh und besorge das Negativ dieses Fotos und vernichte alle Fotos, die entwickelt wurden. Ich verließ ihn und recherchierte. Macar Mustafa, unser Zivilpolizist, hatte, nachdem ich den Tatort der Hinrichtung verlassen hatte, die Fotos gemacht. Ich vernichtete sofort die Negative. Zwei der Fotos nahm ich an mich. Ich ging zu Atatürk und überreichte ihm ein Foto und sagte: ”Ihr Befehl ist erfüllt”.

Versuchen wir doch zu rekonstruieren. Das Gericht tagte ab Sonntag 19 Uhr. Die Urteilsverkündung ist 24 Uhr mit sofortiger anschließender Hinrichtung. Der kleine Marktplatz, auf dem in Elazig Seyit Riza gehängt wurde, ist nach eigenen Recherchen der Autorin 9 Min. zu Fuß vom Kino dem Gerichtssaal entfernt. Wir können davon ausgehen, dass nach der Darstellung unseres Schreibers, Seyit Riza spätestens zwischen 24 und 1 Uhr Nachts erhängt wurde. In der Nacht soll also der Zivilpolizist ein Foto kurz nach der Hinrichtung gemacht haben. Seyit Riza kann nicht über Tage am Galgen gehangen haben, denn die 6000 Zaza, die ja in der Stadt um Gnade bitten wollten, wussten am Dienstag, als Kemal, durch den von ihnen gebildeten Korridor schritt, noch nichts von seiner Hinrichtung. Der Schreiber besteht aber darauf, dass sein Hilfspolizist kurz nachdem er den Platz verlassen habe, das Foto des Gehängten gemacht habe. Nachts um spätestens zwei Uhr im tiefsten Anatolien hat ein Hilfspolizist eine Fotografenausrüstung, mit Blitzlicht. Es gab kein Strom in Elazig, um eine Lichtquelle zu erzeugen für ein Foto eines Menschen der am Galgen hängt. Selbst wenn ein Foto gemacht worden wäre. Es gab 1937 kein Fotolabor in Elazig, das die Filmplatten entwickeln konnte. Selbst wenn der Hilfspolizist eine Leica sein eigen genannt haben könnte, wäre es unmöglich in der damaligen Zeit ein Foto innerhalb von 24 Stunden herzustellen, weil der Trocknungsprozesse das Filmnegativ allein schon 24 Stunden zum Trocknen damals benötigte. Wenn die Glasplatten zu schnell trockneten, löste sich die Filmschicht vom Glas. Der Trocknungsprozess des Fotos brauchte noch zusätzlich Zeit, bis es in der Fotopresse seinen letzten Schliff bekam. „Ich gab es ihm. Atatürk stieg aus dem Zug aus und machte sich auf dem Weg zum Volkshaus. Er fuhr nicht mit seinem Auto. Er ging mitten durch die Menge der „weißen Hosen”. Ich hatte meine Hände in den Hosentaschen, und hielt in jeder Hand jeweils eine Pistole. Die weißen Hosen schauten, ohne etwas zu sagen[36] .

Er muss von der Friedlichkeit der Zaza sehr überzeugt gewesen sein, dass er nur 6 Leute gegen 6000 Zaza zum Schutze Kemals brauchte. Sie bilden für das Oberhaupt dieser Armee einen Korridor zum Volkshaus. Bei diesen 6000[37] bedient Kemal die Objektrepräsentanz „„Sultan“, der man ehrfürchtig die Hand küsst. Gleichzeitig verdeutlicht, diese Szene die Absurdität, wenn von einem Aufstand oder Krieg in Dersim gesprochen wird.

 Sobald einer im Begriff war, einen Schritt zu machen, würden wir es verhindern.“ [38].

Wenn nur zehn von den 6000 die Pistole auf Kemal gerichtet hätten, wäre Kemal erschossen worden, dann hätten İhsan S. Çağlayangil, und seine 6 Soldaten keinerlei Chancen gehabt.

Im Tagesprotokoll des Militärs, hat man die Grausamkeitsarbeiter in Ausrottungseinheiten[39]organisiert.

Die türkische Armee dokumentierte 1938:

„Am 16 August 1938 bombardierte ein Flugzeug 500 Menschen mit ihrer Herde. (... In Macgirt wurden ebenfalls 52 Banditen vernichtet, die von der versammelten Masse flüchten wollten. […] Sie vernichteten nochmals 170 Banditen, die Widerstand geleistet hatten und setzten die Felder und Dörfer in dem Gebiet in Brand. […] Die Armeekorpse durchsuchten Höhlen, Steinhöhlen und jedes Loch, in dem sich eine Person verstecken kann. Bei der Durchsuchungsaktion wurden mit Hilfe von Artillerie- und Infantrietruppen die Höhlen angegriffen und viele Banditen vernichtet; […]. Dörfer, Häuser, Wohngebiete, sogar Felder und Wälder wurden in Brand gesteckt. (...) Bei einer Durchsuchung eines Gebiets wurden innerhalb von 17 Tagen 7959 Personen getötet[…][40].

Doch was heißt im Militärprotokoll Widerstand leisten? An Hand der Verlustzahlen des Militärs können wir nachweisen, dass kein Aufstand in Dersim vorgelegen haben kann, weil es auf Seiten der Ausrottungseinheiten in der 2. und 3. Tuncelioperation 31 Tote und 69 Verletzte[41] gegeben hat. Im ersten Jahr gab es einen Toten und 4 Verletzte[42], die vom Militär jeweils mit 1000 Lira entschädigt wurden. Diesen 32 toten Soldaten stehen mindestens 70 Tausend ermordeten Zaza gegenüber.

Trotzdem konnte sich ein Mythos des heldenhaften Kampfes der Zaza gegen das türkische Militär durchsetzen. Bei den Überlebenden ist er Ausdruck ihrer Schamabwehr, denn es ist unerträglich abgeschlachtet zu werden, nur weil man atmet und deshalb wurde der Widerstand der Stämme der Deminiden groß gemacht um von einem Aufstand sprechen zu können. Gleichzeitig verfallen sie damit aber der Propaganda des Militärs. Das Militär vermerkt im Protokoll sich wehrende Banditen, die später in ihrer Deutungsmacht zu Kombattanten werden und damit der Völkermord zu einem Bürgerkrieg, in dem das Militär gezwungen ist einzugreifen. Die Verleugnung dieses Völkermordes beginnt bereits im Protokoll der Henker.

Bericht des Henkers Yahyagil

Er ist pensionierter Oberst und schrieb in seinem Buch, „Die Zeugen erzählen Said- Nursi“, von seiner Teilnahme am Völkermord:

Im Jahre 1938 wurden wir als Staatsdiener entsandt, um die Aufständischen in Dersim niederzumetzeln. Der Zustand, den sie als Aufstand bezeichneten, war, dass einige Bergdörfler in jenem Jahr keine Steuern gezahlt hatten. Der Befehl, der uns erteilt wurde, war mit einem Wort ausgedrückt: „Vernichtung!”

Lasst niemanden am Leben, Jung-Alt, Kind-Frau usw.” Die meisten dieser Menschen waren Rafizi[43] Aber konnte man mit solch einer Vorgehensweise sie zum Guten bringen? ”Ich war Truppenkommandeur...[44]

Was auffällig ist, es fehlen jegliche Schuld - Schamgefühle ob der Tatsache an einem Völkermord beteiligt gewesen zu sein.

Bericht des Henkers General Mushin Batur [45]

 

Neben vielen Zeugen hat auch der spätere Oberbefehlshaber der Luftstreitkräfte Mushin Batur in seinen Memoiren erwähnt, dass er wegen der Scham über „diesen Fall” nicht schreiben wolle: „Eines Tages bekam unser Regiment einen Befehl... Nach einer bestimmten Truppenübungszeit mussten wir nach Dersim... Am Berghang von Harput, etwas weiter entfernt von Elazig liegend, stationierte sich unsere Truppe und nach einer Weile sind wir in Pertek einmarschiert, den wir als ersten Haltepunkt beschlossen hatten. Wir haben dort für zwei Monate eine Sonderaufgabe erfüllt. An dieser Stelle entschuldige ich mich bei meinen Lesern und verzichte darauf, über diesen Abschnitt meines Lebens zu erzählen[46].

Mushin Batur war für die Durchführung des Massakers an den Zaza in Pertek verantwortlich.

Er war einer der fünf Anführer des Staatsstreichs vom 12. März 1971. Später wurde er Kommandeur der türkischen Luftwaffe. Er schied im Generalsrang aus dem aktiven Dienst und zog bei den Wahlen von 1977 als Senator für die CHP in die Türkische Nationalversammlung ein und wurde Minister.

Er ließ in den „Zellen des 12. März“ damals Tausende von jungen Leuten, Intellektuellen, Schriftstellern und Journalisten in Ketten, mit Hand- und Fußfesseln festhalten, und unterwarf sie schrecklichster Foltermethoden[47]. Er lebte 1996 als Pensionär in einem der vornehmen Wohnviertel Istanbuls mit Blick auf die Bucht von Fenerbahce.

Auf was sich das Schamgefühl des Herrn Batur, ob seiner Befehle bezieht, wird im folgendem berichtet.

Bericht des Henkers Demirtas

In den Memoiren des türkischen Soldaten Demirtas aus Kars, der in Dersim von 1937 – 38 als Kavallerist aktiv war, steht: „Wir sammelten die Dorfbewohner in Dersim und sagten ihnen: „wir werden euch retten!“. Wir brachten sie an die Ufer der Flüsse oder andere geeignete Ort. Danach erschossen wir sie mit Maschinengewehren. „Wir töteten sie alle: Frauen, Kinder, Säuglinge, Greise und Jugendliche“. Unsere Offiziere forderten von uns: „tötet alle Aleviten, lasst keinem am Leben“ Nach der Erschießung stürzten sich die Soldaten wie die Wölfe auf die Leichen. Die Soldaten krempelten den Frauenleichen die Ärmel hoch und rissen gierig die Armreifen und Colliers von Hals und Armen. Die dersimischen Frauen trugen immer Goldschmuck. Manchmal hackten die Soldaten den Frauen die Arme ab, um an das Gold zukommen. Sie zertrümmerten ihre Gebisse um an dass Zahngold zukommen. Es war damals wichtig einen Aleviten zu töten, sein Gold an sich zunehmen, im Wohlstand zu leben und direkt ins Paradies zugehen[48]. In vielen Dörfern sind wir nach diesem Muster vorgegangen. Heute gibt es in Kars „Dersim Reiche“ die durch Raub und Plünderung diesen Reichtum errungen haben[49].

Selten gibt es eine Quelle die so unverstellt einen Völkermord als Bereicherungsmöglichkeit offenbart.

Bericht der Henkerin Sabiha Gökcen

Kemals armenische Adoptivtochter Sabiha Gökcen, war die erste Pilotin in der türkischen Armee und bombardierte Dersim mit Giftgas. Frau Sabiha Gökcen benutzt auch in ihrem Interview in der Zeitung Nokta den Kriegsbegriff um ihre Terrorarbeit zu verschleiern. Die türkische Armee dokumentierte 1938:

Am 16 August 1938 bombardierte ein Flugzeug 500 Menschen mit ihrer Herde[50].

(...) Sie sagte dem Journalisten der Zeitschrift „Nokta“ anlässlich des 50-jährigen Jahrestages des Völkermords folgendes.

”Nokta:  Wie wurde Ihnen der Angriffsbefehl erteilt?

Gökcen:  Ich war damals in der Armee beschäftigt. Die Truppe der ich angehörte, wurde mit dieser Aufgabe beauftragt. Wir machten uns auf dem Weg. Bevor wir flogen, wussten wir, was zu tun war. Das Ziel war direkt Dersim.

Nokta:    Wann war die Ankunft Atatürks in das Operationsgebiet.

Gökcen  : Er kam Ende 1937 anlässlich der Eröffnung einer Brücke in Pertek. Im Operationsgebiet wurden Besichtigungen durchgeführt, manchmal auch mit Atatürk. Ich zeigte ihm die Kriegsgebiete...

Dieses Interview wurde von mir ausgewählt, weil viele alevitische Zaza noch heute überzeugt sind, das „Misto kor“, - Kemal Atatürk -   vom Völkermord nichts gewusst habe, um ihren Türkengott auf seinem Thron weiterhin sitzen lassen zu können. Vergleichbar der Deutschen in der Bundesrepublik, die die Phantasie bis in die 70 Jahre des alten Jahrhunderts pflegten, das der „Führer“ nichts von der Ermordung der Juden gewusst haben könne.

Wie sicher sich das Militär beim Völkermord gefühlt haben muss, belegt die Tatsache, das, das Militär seine Opfer nicht in Massengräbern beerdigt hat. Dieses Faktum gilt als weiterer Beleg für die Barbarisierung der kemalistischen Gesellschaft. Die rituelle Translation der Toten in ihr Grab, schützt in der Phantasie der Lebenden, vor der Macht der Toten. Erst dadurch ist das Weiterleben der Nachkommen und ihrer Gemeinschaft sicher gestellt. Deshalb muss die heutige Regierung den Ort der Gebeine der Ermordeten von Elaziĝ bekannt geben.

Es gibt eine unumstößliche Beerdigungspflicht, die normalerweise den Angehörigen obliegt. Nicht-Bestattung stellt die größte Schmach für den Toten dar und wird zu allen Zeiten als Quelle von Unheil gedeutet. Kriegsgefallenen-Bestattung ist eine öffentliche Angelegenheit, wobei eine Begräbnispflicht auch für Feinde besteht. Es gehörte seit Anbeginn der Geschichte der Menschheit zur elementaren Sicherung der posthumen Existenz der Toten wie der Lebendigen, dass Akte der Bestattung, wie symbolisch rudimentär auch immer, vollzogen wurden. Das türkische Militär hat mit der Weigerung der Beerdigung der Ermordeten, sich außerhalb von Kultur gestellt. Sie sind damit Repräsentanten einer schlechten, in der Zivilisationsgeschichte überwunden geglaubten, als barbarisch und archaisch geltenden Tyrannis, die im türkischen Militärstaat wieder auflebte[51]. 

 

Der Völkermord in Dersim hat Auswirkungen auf die heutige deutsche Gesellschaft im Ethnozid an den alevitischen Zaza in der Bundesrepublik.

A         Das Muttersprachenverbot

Die Zerstörung der ethnischen Identität aller massakrierten Ethnien aus Anatolien, geschieht im so genannten muttersprachlichen Unterricht in Deutschland. Unter dem Begriff der „Bergtürken“ werden sie im Türkischunterricht zusammengefasst. Es traf die Sprachgruppen in der Türkei die einem Muttersprachenverbot in der Türkei unterlagen. Die deutsche Bürokratie machte es sich leicht und verwechselte schlicht Staatsbürgerschaft mit ethnischer Identität. Deshalb wurde die ethnische Identität der Zaza, durch den verlängerten Arm türkischer Ideologie auch hier weiter zerstört und türkisiert. Die Türkisierung ist der Ethnozid, der die Ursprungsidentität zerstört, der nunmehr, importiert aus der Türkischen Republik, im Geltungsbereich des deutschen Grundgesetzes im Türkischunterricht weiter durchgeführt wird. Damit bekam Artikel 62 der türkischen Verfassung Rechtsgültigkeit auf deutschem Hoheitsgebiet. Es heißt darin: „Der Staat trifft die notwendigen Maßnahmen zur Gewährleistung der Einheit der Familie der im Ausland arbeitenden türkischen Staatsbürger, der Erziehung ihrer Kinder, ihrer kulturellen Bedürfnisse und ihrer sozialen Sicherheit, zum Schutz ihrer Bindungen an das Vaterland […] „. Die schiere Unkenntnis türkischer Verhältnisse und kleinasiatischer Sprachenvielfalt half die Ethnozidstrategie Ankaras in den Verträgen zur Gastarbeiterregelung abzusegnen. Atatürks Ausspruch: „Ne mutlu Türküm diyene“ Wie glücklich ist der, der sagen kann, ich bin Türke, wurde in Deutschland weiter eingeübt. Die eurozentristische Provinzialität des deutschen Außenministeriums kam dem entgegen und initiierte eine Identitätszerstörung unter den Kindern kleinasiatischer Gastarbeiter deren „Muttersprachlichkeit“ mit Hilfe des Türkischunterrichts zerstört wurde. In einem Vortrag jedoch vor der türkischen Kriegsakademie wurde 1969 festgestellt, daß 71 % aller Dörfer in den achtzehn östlichen Provinzen Radio hätten. Jedoch die meisten Menschen die türkischsprachigen Sendungen Radio Diyarbakïrs nicht verstehen können und deshalb der überwiegende Teil von 51, 3 % den armenischen Sender aus Eriwan hören[52]. Die Zazakisprecher kommen aus dem untersuchten Gebiet und sprachen bewiesener Maßen kein Türkisch als sie nach Deutschland kamen.

B       Die Identitätszerstörung durch nationalistische Ideologie

         Das türkische Konsulat und auch das deutsche Schulamt stellen und bezahlen im Geiste Atatürks ausgebildete Lehrer, die „entsprechend der Auffassung vom Nationalismus, wie sie Atatürk, der Gründer der Republik Türkei, der unsterbliche Führer und einzigartige Held, verkündet hat,[53] geschult werden. Die Zazaki sprechenden Kinder mussten im Alter von sieben Jahren zwei Fremdsprachen erlernen – deutsch und türkisch – von je einem Lehrer, der ausschließlich für muttersprachlichen Unterricht in der jeweiligen Landessprache ausgebildet war. Dieses Factum brutum füllte die Schulen für Lernbehinderte mit Zaza-Kindern und schlägt sich in der Pisastudie negativ nieder.

         Fast jedes Mal beginnt, bis heute in Berlin – Kreuzberg - Friedrichshain oder Köln, der Türkischunterricht mit dem Klassengelöbnis:

Ich bin Türke,
Ich bin aufrichtig.
Ich bin fleißig.
Mein Gesetz ist: die Kleinen zu schützen und die Älteren zu achten und zu respektieren.
Mein Land, meine Nation mehr als mich selbst zu lieben.
Oh Mustafa Kemal, der du unsere Tage geschaffen hast. Du großer Vater aller Türken
![54]

Den Weg, den du gewiesen, die Nation, die du erschaffen, dem Ideal, das Du erweckst, dem Ziel, das du gezeigt, gelobe ich zu folgen.[55]

          Dieses Gelöbnis offenbart die erschwerte Integration eines getürkten Zaza in die deutsche Geisteswelt. Früh liebt ein Zaza-Kind Atatürk, an den alle Bewunderung gebunden ist und kaum noch etwas übrig lässt für Friedrich den Großen oder das deutsche Grundgesetz. Mit diesem fünf Jahre währenden autosuggestiven Spruch im Türkischunterricht beginnt unter anderem eine türkische Identitätskonstruktion eines deutschen zaza-stämmigen Kindes. Ein weiteres Problem ist der von einer Ideologie geforderter Zwang zur Identifikation mit einem Aggressor, der das Gelöbnis durchzieht: Es könnten die Kulturminister der Bundesländer Atatürk im Klassengelöbnis durch Hitler ersetzen lassen und in den jüdischen Schulen mit der gleichen Berechtigung jeden Morgen skandieren lassen, wie das im Türkischunterricht mit Atatürk ungestört geschieht. Gott sei Dank wäre das in Deutschland nicht möglich, aber der Henker der Großeltern der Kinder aus Dersim darf in Deutschland im Schulunterricht zum Schöpfer ihrer Tage werden.

Die Konsequenzen dieser Identitätspolitik werden in unserem Land ins Gefängnis ausgelagert.

C.      Die Identitätszerstörung durch das Namensverbot aus der eigenen Kultur

Vom türkischen Konsulat in Köln und dem deutschem Standesamt gemeinsam erstellte Namenslisten liegen auf deutschen Standesämtern aus und legen fest, welcher Name türkisch sei. Beide Parteien, Eltern und Standesbeamte, sind bei der Anmeldung eines neugeborenen Zaza-Kindes an diese Listen in der Namensgebung gebunden. Ein Deutschland geborenes Zaza-Kind darf keinen Namen aus seiner eigenen Kultur tragen weil es mit seinem ersten Atemzug in Deutschland bereits türkisiert wird.

So ragt der Völkermord in Dersim – und nicht nur dieser – in die deutsche Gesellschaft hinein und hat die bundesdeutsche Schulbürokratie und alle, die mit den Kindern der Zaza beschäftigt waren, zu ungewollten Tätern in einem Ethnozid werden lassen. Das Bestehen auf dem Türke-Sein im Klassengelöbnis, auf den Standesämtern, im Schulunterricht, im Gelöbnis und die Verlängerung des Muttersprachenverbots für Zazaki durch das Lehren der türkischen Sprache im Gewand einer Muttersprache stabilisiert das türkische Völkermordtabu im Geltungsbereich des deutschen Grundgesetzes.

In der Nationengründung hat das Militär aus den türkischen Stämmen die Macht an sich gerissen und hält sie bis heute in seinen Händen. Die Türken sind das Resultat einer türkisierenden Gehirnwäsche. Die Identität der Türken wurde auf dem I.[56] und II.[57] Kongress der CHP 1932 und 1935 festgelegt, als einundsechzig Wissenschaftler ihre Ergebnisse –“Was ist türkisch“ vorstellten. Die Lehrer in den Grundschulen und Gymnasien wurden mit den Beschlüssen der Partei für ihren Unterricht, was türkisch sei, präpariert. Deshalb wird bis heute ein Ethnozid an den nicht türkischsprachigen Völkern durchgeführt. Aus dem gleichen Grund werden seit den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Dersim und in der alten und neuen Bundesrepublik alle Zazaki und andere Sprachen sprechenden Schüler einem Ethnozid unterzogen.

Die Dersimer Kulturgemeinden fordern für alle Schulkinder aus Anatolien, die im Skandalon der deutschen Hauptschulen, trilingual und Atatürk-Anbeter werden müssen in den politischen Gremien dieser Missstand in der deutschen Gesellschaft zu beseitigen.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass sie niemals ein solches Unrecht an den Kindern zugelassen hätten, wenn ihnen ihre Geschichte bekannt gewesen wäre.

Die Parlamente, die den Überlebenden in der heutigen Zeit das innerpsychisch verankerte Lebensrecht in der Nichtanerkennung des Völkermords verweigern, erkennen heute an, ob sie es wollen oder nicht, einen Genozid als innenpolitische Konfliktlösung an. Dies ist jedoch unerträglich für Betroffene wie den Dersimern, in deren Geschlechterkette der Völkermord 1937/38 geschah.

So lange die Völkermorde nicht anerkannt werden, müssen die Betroffenen fürchten, dass sich die Geschehnisse wiederholen könnten. Das zwingt sie in ein quälendes paranoides Phantasma, denn alle Völker, die den Überlebenden das Lebensrecht mit der Anerkennung des Völkermordes nicht zurückgeben, müssen als potentielle Verfolger innerlich verarbeitet werden.

Beim Völkermord in Dersim – unleugbar in Friedenszeiten – entfällt das zentrale Argument im Völkermordtabu der Türken, das nur durch Kriegsgeschehen solche Gräuel geschehen sein können. Deshalb hoffe ich, dass meine Argumente, mit zu einem Motor für das Bemühen in der deutschen Gesellschaft werden können, sich erneut der Frage zu stellen, ob sie weiterhin den Nachkommen der massakrierten Völker Kleinasiens ihr innerpsychisch zu verankerndes Lebensrecht verweigern können.

Denn wenn sie es ihnen zurückgeben würden, könnten alle Menschen in und aus Kleinasien sagen „Ne mutlu Anadoluluyum diyene“[58] 

 

Haq sıma ra razi bo!

 

Eschgol@freenet.de


 

[1]           Vortrag gehalten am 15. 9. 2008  auf der Gedenkveranstaltung für Seyit Riza in der Dersim - Cemaati

             Berlin Waterloo Ufer 7 -9

[2]           Die Tageszeitung” Ulus”, 28. Oktober 1937, Vgl. Türkiye Cumhuriyetinde Ayaklanmalar a. a. O.  S, III $. IKS - Nr. 55058 Seite: 222-223 1935

[3]           Graf Wolf – Metternich, Botschafter in außerordentlicher Mission vom 15. November 1915  bis 3. Oktober 1916. in Konstantinopel zitiert nach Lepsius Aktenfunde

[4]              Scheubner-Richter, Verweser in Erzerum vom 17.2. bis 6.8. 1915, am 4. Dezember 1916 in Lepsius – Aktenfunde: Deutschland und Armenien 1914 – 1918. in Gust W.

[5]              Alp liefert die erste Beschreibung des Pantürkismus während des ersten Weltkrieges. Er war ein überzeugter Turanist, später wurde er Kemalist. Siehe Landau J. M., Tekin Alp. Turkish Patriot, 1883-1961 Amsterdam: Netherlands Historical-Archaeological Institut at Istanbul, 1984

[6]              Tekin Alp, Türkleşdirme Istanbul 1928 S.7

[7]              ebd. S.10

[8]              ebd. S. 16

[9]              ebd. S.22

[10]            ebd. S.25

[11]            ebd. S. 26

[12]            ebd. S.34

[13]            ebd. S. 46

[14]            ebd. S. 56

[15]            ebd. S. 65

             Die gesamte Übersetzung des in arabischer Schrift und osmanischer Sprache veröffentlichten Aufsatzes von Tekin Alp 1928 verfasste Zilfi Selcan in Berlin 2002

[16]         Yemos Chatun; Pir, Duisburg 1998, S. 45 – 48. Übersetzung Dr. Kahraman Gündüzkanat.

 

[17]         Kieser, Hans –Lukas, Aleviten im Wandel der modernen Geschichte, Vortrag auf dem Kongress der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Vorderer Orient für Gegenwartsbezogene Forschung und Dokumentation (DAVO) 7.9.2001, Göttingen

8           Alle nichtchristlichen Ostanatolier wurden von der hohen Pforte als Kurden bezeichnet und die Jungtürken übernahmen diese Sprachregelung

9           Nur, Riza, /Hayat ve Hatiratim,/ Bd. 2, Istanbul, 1992, S. 260.

[20]         Hirten

[21]            Chatun Yemos a. a. O. 46

[22]        Yemos Chatun, a. a. O. S. 45

[23]         Türkiye Cumhuriytinde Ayaklanmalar 1924 – 1983 a.a.O. S.379.

[24]         [Zazaki: R̉oza Şiae] auch 0tus Sekis oder Tertele

[25]         Darin heißt es:

             Art. I    

             a)                                Tötung von Mitgliedern der Gruppe;

             (b)              Verursachung von schwerem körperlichem oder seelischem Schaden an Mitgliedern der Gruppe; (Das Geschah in den Deportationen.)

             (c)              vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen;

[26]         Seit 7. 4. 1980 als Staatsoberhaupt amtierender Senatspräsident

[27]         Xarpet

[28]         persönliche Mitteilung eines Zeugen dieses Prozesses aus Elaziĝ , der um Quellenschutz bat.

[29]         İhsanÇağlayangilİhsan S. ÇağlayangilÇağlayangilİhsan S. Çağlayangil, Anilarim, Seite 49 -52, Yilmaz Yayinlari, Istanbul 1990 3. Auflage

[30]         streng geheime Anweisung

[31]         İhsanÇağlayangilİhsan S. ÇağlayangilÇağlayangilİhsan S. Çağlayangil, a. a. O. Seite 49 -52,

[32]         siehe Tunceligesetze

[33]         ÇağlayangilÇağlayangil, İhsan S. Anilarim, Seite 49 -52, Yilmaz Yayinlari, Istanbul 1990 3. Auflage

[34]         Ibid.

[35]         Ibid.

[36]         Ibid.

[37]         selbst wenn es nur 300 gewesen waren

[38]         Cagliyangil Ihsan Sabri, a. a. O. Seite 52,

[39]         Tenkil kuvvetlerinde

[40]         Türkiye Cumhuriyetinde a. a. O S. 437

[41]         Die Verluste unter dem Militär in der Ersten. Tunceli Operation vom März 1937 bis 22 Oktober. 1937 waren: ein getöteter Offizier, dessen Angehörige mit 1000 Lira entschädigt wurden und 4 Verletzte

             Die Verluste des Militärs in der 2. Tunceli Operation vom 2. Januar bis 24. August 1938 waren Folgende:

             11. Juni 38                        1 Gefallener                    5 Verletzte

             13. Juni 38                        3 Gefallene                      5 Verletzte

             16. Juni 38                        1 Gefallener                     1 Verletzter

             15. Juli 38                         1 Gefallener                     5 Verletzte

             16. Juli 38                         5 Gefallene                       8 Verletzte

             17, 18. Juli 38                  10 Gefallene                    17 Verletzte

             20 Juli bis 24. Aug.         6 Gefallene                     10 Verletzte

              3. Tunceli Op..                                                     keine Verluste

              4. Tunceli Op.                                              keine Verluste

              5. Tunceli Op.                                              keine Verluste

[42]         Ibid. S. 409

[43]         Abtrünniger, kommt von Rafidi, wird von den sunnitischen Moslems für alle schiitischen Religionsgruppen benutzt.

[44]         Mushin Batur, Anilar Görüsler- Üc Dönemin Perde Arkasi. S. 25

[45]         Mushin Batur war für die Durchführung des Massakers an den Zaza in Pertek verantwortlich. Später wurde er Kommandeur der türkischen Luftwaffe. Er schied im Generalsrang aus dem aktiven Dienst und zog bei den Wahlen von 1977 als Senator für die CHP in die Türkische Nationalversammlung ein und wurde Minister.

[46]         Mushin Batur, a. a. O. S 25

[47]         Nur Dolay, Le Monde diplomatique Nr. 4948 vom 14.6.1996, Seite 16-17,

[48]         Hier wird die Fatwa von Ebusuud Efendi von 1548 sinngemäß  zitiert

[49]         vgl. M. Kalman: Belge ve taniklariyla Dersim Direnisleri Istanbul 1995, S. 393

[50]         Türkiye Cumhuriytinde 1924 – 1938;  a. a. O. S. 437

[51]        Diese Züge der Tyrannis leben auch heute noch in Dersim. Dem Freunde in Tunceli, wurde der 73 jährige kränkliche Vater, ein Holzkaufmann, auf dem Weg, nach Elaziĝ von der Gendarmerie verhaftet. Es verliert sich von dort seine Spur. Er ist vom Militär der Gendarmerie, in die lange Reihe der vielen Verschwundenen gestellt worden. Dieser Freund leidet, dass er seinen Vater nicht beerdigen konnte. Die Mutter starb vor Gram ein halbes Jahr später. Der Vater, wurde von seinem Sohn, in alle dafür zuständigen Institutionen Ankaras gesucht. Der Minister, sagte dem Sohne, dass seine Hände gebunden seien.

[52]         Nazmi Sevgen „Dogu'da Kürt meselesi“ in: o.V. Genelkurmay belgelerinde Kürt isyanlarï 3, Istanbul 1992 (türkische Erstveröffentl. 1970) S.11-46; hier: S.43;

[53]         aus der Präambel der türkischen Verfassung

[54]         Atatürk.

[55]         Übersetzung: Zülfi Selcan, Berlin 19.10.2001

[56]         Birinci Türk Tarih Kongresi: Konferenslar Müzakere zabitlaln, Istanbul: T. C. Maarif Vekaleti, 1932, S. VII-XIII

[57]         Ikinci Türk Tarih Kongresi Istanbul 20 :25. Eylül 1937 S. 851

[58]         Wie glücklich ist der, der sagen kann, ich bin Anatolier